Vierte Verbandsgründungstagung der IBZ

Liebe Bundesbrüder,
vom 10. bis zum 12. Oktober 2014 versammelten sich Burschenschafter aus ganz Deutschland in München, um zum vierten Mal darüber zu diskutieren, wie ein neuer burschenschaftlicher Dachverband aussehen soll. Nachdem man sich bereits über die Auslegung der Begriffe Freiheit und Vaterland geeinigt hatte und auf der vorigen Tagung in Braunschweig über den Ehrbegriff diskutiert wurde, sollten an diesem Wochenende in München die Ergebnisse dazu zusammengefasst dargestellt und letzte Fragen geklärt werden. Die letzten großen Diskussionspunkte waren der Verbandsname und der Mensurstandpunkt des Verbandes.
So machte sich eine kleine Delegation drei aktiver Germanen für ein Wochenende in München bereit, welches im Übrigen zu meinen Lieblingsstädten gehört. Als ich am Freitagnachmittag mit meinem Gepäck auf dem Germanenhaus ankam, hatten auch schon unsere Füxe Jonas Buhrmann und Lukas Kriegsmann ihre Sachen vorbereitet, doch alles lief zu perfekt nach Plan und so stellte sich wenige Minuten später heraus, dass Lukas‘ Auto, mit welchem wir fahren wollten, einen platten Reifen hatte, der heimlich seine Luft gelassen hatte. Es dauerte eine Weile, bis wir passendes Werkzeug für einen Radwechsel parat hatten, doch die alten Schrauben ließen sich partout nicht lösen. Zu lange hatten sie Zeit, um seit dem Wechsel auf Sommerreifen gemütlich einzurosten. Ohne passenden Hebel ließ sich nichts rühren und ein solcher war natürlich nicht in greifbarer Nähe. Nachdem Auto für Auto der übrige verfügbare Fuhrpark als ungeeignet für eine Fahrt nach München und zurück erklärt wurde, blieb uns nur noch eine Möglichkeit: Wir mussten warten. Denn der Bundesbruder, der sein Auto stets im bestmöglichen Zustand hält, ist derjenige, der es auch am meisten quält. So erklärte sich unser liebster Autoschrauber, Martin Büttner, dazu bereit, uns seinen Wagen zur Verfügung zu stellen.
Doch erst musste dieser eine Stunde lang anreisen. Sobald er schließlich da war, packten wir unsere sieben Sachen schnell in seinen Wagen und fuhren im bereits Dunkeln los.
Zum Begrüßungsabend auf dem Haus der Münchener B! Franco-Bavaria würden wir es keinesfalls mehr rechtzeitig schaffen, also steuerte ich unseren Wagen gemütlich gen Süden. Nach Mitternacht kamen wir ohne weitere Ereignisse bei unserer Unterkunft an: Das Haus der Münchener B! Stauffia. Trotz später Stunde begrüßte uns Waffenbruder Jan Scherer herzlich, mit dem ich unseren Besuch auch im Vorfeld abgesprochen hatte. Als er uns unser Zimmer zeigte, fand ich mich recht schnell auf dem Stauffenhaus zurecht, da ich mich daran noch von meinem Besuch im letzten Jahr zum 120. Stiftungsfest der Stauffia erinnerte. Bei einem gemütlichen Bier und Thekengespräch entspannten wir uns vom Stress des Tages. Natürlich fanden noch mehr Waffenbrüder ihren Weg an die Theke und so wurden aus einem Bier mehrere und während meine Bundesbrüder vernünftigerweise früher zum Schlafsack gingen, verließ ich die Theke erst um 5 Uhr morgens. An einem Verbandstagungswochenende müssen drei Stunden Schlaf eben erstmal reichen.
Am nächsten Morgen fiel mir auf, wie wach es einen selbst macht, wenn man Füxe aus dem Tiefschlaf wecken darf oder muss. Dabei hilft es natürlich, wenn man die müden Füxe mit Kaffee und Frühstück locken kann, welches auf dem Haus der Münchener B! Arminia-Rhenania auf uns wartete. Vor Ort war es eine Freude unseren stets putzmunteren Bundesbruder Frank Hoffmann anzutreffen, mit dem die folgenden Vorträge wesentlich angenehmer anzuhören waren. Der Samstag war nämlich nicht mit Diskussionen oder Arbeitsgruppen vollgepackt, sondern mit vier einstündigen Vorträgen zum Thema Ehrbegriff.
Der Anfang war klassisch mit dem Titel „Der Ehrbegriff in der historischen Entwicklung“ und obwohl er eher trocken war, so war es doch interessant zu hören, wie sich Ehre als gesellschaftlicher Aspekt vom Adel und vom Militär auf das Bürgertum ausgeweitet hatte und später vom Begriff der Würde verdrängt wurde. Da es zur Geschichte wenig zu diskutieren gab, war auch die Fragerunde im Anschluss nicht sehr ergiebig, was leider dazu führte, dass einige Anwesende bereits nach nur einem Vortrag anfingen, über die allgemeine Auslegung des burschenschaftlichen Ehrbegriffs zu diskutieren.
Der zweite Vortrag „Der Ehrbegriff aus militärischer Sicht“ war um einiges lebensnaher. Obwohl man sich als Burschenschafter häufiger über Ehre Gedanken macht, zeigt einem die Soldatenehre neue Aspekte, nicht zuletzt dadurch, dass die Bundeswehr einen würdevollen Umgang mit Feinden fordert und Vertrauen unter Kameraden im Einsatz über Leben und Tod entscheiden kann.
Nach einer Mittagspause samt Mittagessen ging es weiter mit „Der Ehrbegriff aus kirchlicher und gesellschaftlicher Sicht“. Entgegen des Titels ging es leider kaum um die gesellschaftliche Sicht. Der rhetorisch am besten gestaltete Vortrag des Tages war gleichzeitig inhaltlich der schwächste. Er krankte meines Erachtens vor allem an der Prämisse, jeder Mensch habe Ehre, da jeder Mensch von Gott geschaffen worden sei. Falls jemand, so wie meine Wenigkeit, nicht an Gott oder die Schöpfung glaubt, ist es unter dieser Prämisse unmöglich demjenigen zu erklären, wieso man seine Mitmenschen respektvoll behandeln soll. Doch da am folgenden Tag eine lautstarke Mehrheit dafür stimmte, Gott in die Präambel der neuen Verbandssatzung mitaufzunehmen, hat wohl auch dieser Vortrag mehr Anhänger gefunden, als mir persönlich lieb wäre.
Der letzte Vortrag trug den Titel „Ehrenordnung als Mediation“ und war zwar ähnlich historisch und trocken wie der erste, doch war er ebenfalls interessant, da sich mit dem Ehrbegriff auch seine Anwendung änderte. Eindeutig auf die Diskussion um die Mensur am nächsten Tag abzielend, wurde erläutert wie Beleidigungen anfangs hauptsächlich mit scharfen Waffen ausgehandelt wurden und später Beleidigungen in der Regel vorgeschoben wurden, um sich mit einem unliebsamen Gegenüber duellieren zu dürfen. Erst mit Felix Bussons Ehrenordnung „Ritterlicher Ehrenschutz“ galt nicht mehr als beleidigt, wer sich beleidigt fühlte, sondern wurde die Beleidigung nach objektiven Merkmalen bewertet. Selbst im tatsächlichen Beleidigungsfall wurde von Ehrengerichten stets eine persönliche Entschuldigung angestrebt, welche im Extremfall als offizielle Abbitte vor allen Beteiligten geschehen musste.
Mit vollbrachtem Tagungswerk kehrten wir auf das Stauffenhaus zurück und während die Füxe München in unmittelbarer Umgebung erkundeten, holte ich ein wenig Schlaf nach. Der Tagungsplan hatte eine große Kneipe auf dem Franco-Bavarenhaus vorgesehen, doch für die gleiche Zeit hatte die MB! Stauffia ihre Ankneipe angesetzt. Da wir eine kleine, persönlichere Kneipe einer vollen, festlichen vorzogen, und ich wusste, wie spaßig eine Stauffenkneipe sein kann, hatten wir uns dafür entschlossen, unsere liebe Germania als Gründungsburschenschaft der Stauffia zu vertreten. Keiner von uns bereute diese Entscheidung. In seiner Sprecherrede zog Waffenbruder Scherer Inspiration aus unserem Thekengespräch des Vorabends und sprach über die Ausrichtung und Zielsetzung der heutigen Burschenschaften. Da unsere lieben Füxe mich vorsorglich auf die Rednerliste geschrieben hatten, durfte ich offiziell unsere besten Grüße übermitteln und der Sprecherrede in weiten Teilen zustimmen. Doch der eine Widerspruch, den ich einlegte, gab den Anstoß für einige der interessantesten Diskussionen an dem Abend, in denen es darum ging, ob Mitglieder der NPD oder der Linken in Burschenschaften aufgenommen werden sollten.
Mit kaum mehr Schlaf als in der vorigen Nacht ging es am Sonntagmorgen erneut auf das Arminen-Rhenanenhaus. Zuerst wurden die Ergebnisse der Tagung in Braunschweig vorgestellt, was ohne nennenswerte Einsprüche zur Kenntnis genommen. Weiter ging es mit der Wahl des Verbandsnamens, welche in nahezu letzter Minute einige neue Kandidaten erhalten hatte. Mit kurzen Meinungsbildern wurden viele Vorschläge verworfen und die endgültige Abstimmung auf den Gründungstag im nächsten Jahr verschoben. Grob gesagt geht es aber darum, ob wir ihn Allianz, Bund oder Verband Deutscher Burschenschaften oder Burschenschafter nennen. Auch die Frage um den Mensurstandpunkt wurde schnell entschieden, aber lange breitgeredet. Unter dem Motto „Es wurde alles gesagt, nur noch nicht von allen“ wurde erörtert, dass es höchstwahrscheinlich ein fakultativ schlagender Verband werden wird, da jeweils etwa die Hälfte der beteiligten Burschenschaften fakultativ oder pflichtschlagend ist. Auch hier findet die endgültige Abstimmung auf dem Gründungstag statt. Ein Lichtblick in dieser trägen Diskussion war mir jedoch die folgende Aussage: „Wenn wir ein Verband sind, der nicht überprüft, welche Bünde sich politisch und gesellschaftlich engagieren, aber kontrolliert, wer wie viele Stunden auf dem Paukboden steht, sind wir nicht besser als die DB.“
Mit der Vorstellung der vorläufigen Verfassung, die in großen Teilen sehr positiv aufgenommen wurde und lediglich formal abgenickt werden musste, schloss Waffenbruder Stefan Dobner (MB! Arminia-Rhenania), welcher eine höchst zufriedenstellende Leitung dieser Tagung übernommen hatte, diese 4. Verbandsgründungstagung ab. Es folgte noch eine kurze IBZ Vollversammlung, in welcher zwei weitere Bünde aufgenommen wurden. Da ich den Füxen diese Formalität ersparte, konnten sie sich nochmals im Wagen für die Rückfahrt ausruhen, bevor sie dann im Wechsel das Steuer übernahmen. Ich war froh auf dem Rücksitz schlafen zu können, nach einem Wochenende, welches zwar auch anstrengend und stellenweise zäh war, uns jedoch als sehr inhaltsreich und unterhaltsam in Erinnerung bleiben wird.

Mit bundesbrüderlichem Gruße,
Thomas Abel Z! (xx)